Ngoye: Entre les formes / Zwischen den Formen

Ngoye: Entre les formes / Zwischen den Formen

Ngoye: Entre les formes / Zwischen den Formen

Am 21.03.2026 eröffnet der KVJ die Ausstellung Entre les formes / Zwischen den Formen. Die Schau im Kunstverein Jesteburg widmet sich der Malerei des ivorischen Künstlers Jean N’Goran Kouamé, bekannt unter seinem Künstlernamen Ngoye, und rückt sie in einen erweiterten räumlichen Zusammenhang. Seine Arbeiten erscheinen dabei weniger als abgeschlossene Bildobjekte denn als dynamische Bildfelder, in denen sich Formen, Linien und Farbspuren kontinuierlich überlagern, verschieben und neu formieren.

Ngoyes Malerei bewegt sich an einer produktiven Schwelle zwischen Figuration und Abstraktion. Maskenhafte Gesichter treten zunächst als erkennbare Formen hervor, lösen sich jedoch zunehmend in ein dichtes Geflecht aus Linien, Farbfeldern und gestischen Spuren auf. Die Malerei scheint durch diese Formen hindurchzugehen – sie zu überdecken, zu fragmentieren und zugleich immer wieder neu hervorzubringen. Was zunächst als Gesicht erscheint, verwandelt sich in ein vibrierendes Bildfeld, in dem Figur und abstrakte Struktur untrennbar miteinander verbunden sind.


Ngoye Untitled, Serie Masquage, 2025 mixed media on canvas 110cm x 98cm 

Die maskenhaften Formen verweisen auf Bildtraditionen der Elfenbeinküste, zugleich erscheinen sie in Ngoyes Malerei nicht als ethnografische Zeichen. Sie werden zu instabilen Figuren innerhalb eines abstrakten Bildraums. In dieser Verschiebung spiegelt sich auch die Bewegung heutiger Malerei: Bildtraditionen zirkulieren global, werden überlagert, transformiert und neu angeeignet.

Im Verlauf des malerischen Prozesses verlieren die Gesichter ihre Konturen und gehen in eine dichte Struktur aus Linien, Farbspuren und Schichtungen über. Die Leinwand wird zu einem Ort der Verdichtung, in dem unterschiedliche zeitliche Momente sichtbar bleiben: Setzungen, Überarbeitungen und Verschiebungen lagern sich übereinander und formen ein komplexes Geflecht von Spuren. Das Bild erscheint weniger als Darstellung denn als Ergebnis eines offenen Prozesses.

Die Ausstellung im Kunstverein Jesteburg greift diese Struktur der Überlagerung bewusst auf. Großformatige Wanddrucke von Bildfragmenten Ngoyes überziehen die Architektur des Raumes, während originale Gemälde auf diesen Flächen installiert werden. Dadurch entstehen Situationen, in denen Bild und Hintergrund, Oberfläche und Raum ineinander übergehen. Malerei erscheint hier nicht nur als Bild auf der Leinwand, sondern als räumliche Praxis, die Wahrnehmung organisiert und Blickbewegungen lenkt.

Nähe und Distanz werden dabei zu zentralen Kategorien der Betrachtung. Aus der Entfernung verdichten sich Linien und Farbspuren zu einem pulsierenden Gesamtbild; in der Nähe lösen sich diese Strukturen wieder in einzelne Gesten und materielle Spuren auf. Der Blick bewegt sich zwischen Detail und Ganzem, zwischen Oberfläche und Raum.

Gerade in dieser Bewegung entfaltet Ngoyes Malerei ihre besondere Wirkung. Seine Leinwände sind vollständig von Farbe, Linie und Bewegung durchzogen – nichts bleibt unberührt. Anders als in vielen Traditionen der gestischen Malerei entsteht die Wirkung nicht aus leeren Flächen oder isolierten Zeichen, sondern aus einer radikalen Verdichtung der Oberfläche, in der jede Spur Teil eines größeren visuellen Gefüges wird.

Die Ausstellung Entre les formes / Zwischen den Formen versteht Ngoyes Malerei daher als einen offenen Bildprozess, in dem sich Formen, Bedeutungen und Wahrnehmungen fortwährend neu konfigurieren. Zwischen Figur und Abstraktion, zwischen Bild und Raum entsteht ein Feld visueller Erfahrung, in dem sich das Bild immer wieder neu bildet – im Spannungsraum zwischen Nähe und Distanz, Oberfläche und Tiefe, Erscheinung und Auflösung.

Ausstellung bis 31.05.2026

 

Leave a Reply

Name*

e-Mail * (will not be published)

Website