Yannik Akah | Anna Steinert EVER IN FLUX

Yannik Akah | Anna Steinert EVER IN FLUX

Yannik Akah | Anna Steinert EVER IN FLUX

Als Satelliten-Ausstellung präsentiert der Kunstverein Jesteburg e.V. ab 26.02.2026 die Ausstellung Ever in Flux mit Arbeiten von Anna Steinert und Yannick Ackah in der Galerie Melbye Konan. Während die Präsentation in den Räumen der Galerie ihren Schwerpunkt in der Malerei hat, wird sie im Kunstverein Jesteburg dialogisch weitergeführt – durch Videoarbeiten sowie installative und räumliche Ergänzungen, die die künstlerischen Fragestellungen vertiefen und in andere mediale Konstellationen überführen.

Im Zentrum von Ever in Flux steht ein Verständnis von Identität, das sich festen Zuschreibungen entzieht. Beide Künstler*innen begreifen das Subjekt nicht als abgeschlossene Einheit, sondern als etwas, das sich in Beziehungen, Übergängen und Verschiebungen formt. Identität erscheint hier nicht als innerer Kern, sondern als Gefüge – offen, relational und in Bewegung.

Anna Steinert eröffnet diesen Raum aus einer performativen und imaginativen Perspektive. Ihre Malereien sind keine Darstellungen im klassischen Sinn, sondern Erfahrungsräume, in die der Blick eintreten kann. Wahrnehmung wird verlangsamt, der Blick in Bewegung versetzt, die Einbildungskraft aktiviert. Der malerische Prozess ist von Spannungen geprägt: Verdichtung und Auflösung, Widerstand und Neubildung schreiben sich als Schichtungen, Brüche und Öffnungen in die Bildoberflächen ein. Transformation wird nicht behauptet, sondern vollzogen – als Prozess, der sich im Bild sedimentiert.

Anna Steinert: Konstrukt aus uralter Materie, 2025, 170 x145 cm
Öl, Acryl, Oilstick auf Leinwand

Diese Haltung setzt sich in Steinerts Masken, Videoarbeiten und installativen Setzungen fort, die im Kunstverein als dialogische Erweiterung der Ausstellung präsentiert werden. Die Masken sind nicht als autonome Objekte gedacht, sondern als Mittel der Identitätsauflösung und der Verkörperung von Imagination. In den Videoarbeiten treten Körper, Rollen und Gesten in Bewegung; Bilder werden zu Handlungen, Wahrnehmung zu Erfahrung. Die installativen Elemente öffnen Räume, in denen sich Bild, Körper und Handlung gegenseitig durchdringen.

Yannick Ackahs Malereien entfalten eine komplementäre Perspektive. Auch hier erscheint Identität als vielstimmiges, zusammengesetztes Gefüge. Maskenhafte Gesichter, urbane Muster und farbige Verdichtungen treten in rhythmische Beziehungen zueinander und formen Bildarchitekturen, die kulturelle Bezüge nicht festschreiben, sondern offenhalten. Ackahs Arbeiten bewegen sich im Zwischenraum unterschiedlicher Bildsprachen und lassen Identität als etwas sichtbar werden, das aus Überlagerungen, Transfers und Verschiebungen hervorgeht – und sich einer eindeutigen Lesbarkeit entzieht.

Yannick Ackah, Masks of Society, 2025, acrylic, crayon, newspaper, paper and fabric collage on canvas, 160 x 140 cm

Im Zusammenspiel beider Positionen wird Identität als relationales Geschehen erfahrbar. Sie entsteht nicht aus sich selbst heraus, sondern aus Beziehungen und Verflechtungen, die das eigene Selbst überschreiten. Wie Achille Mbembe formuliert, entsteht das Subjekt „nicht aus sich selbst heraus, sondern in Relation zu anderen“. Diese Relationalität zeigt sich in Ever in Flux sowohl in Ackahs vielstimmigen Bildarchitekturen als auch in Steinerts performativen und imaginativen Bild- und Raumsetzungen.

Zugleich erscheint das Subjekt nicht als abgeschlossene Form, sondern als etwas, das sich im Vollzug immer wieder neu entwirft. Sylvia Wynter beschreibt den Menschen entsprechend als „kein abgeschlossenes Wesen, sondern ein sich immer wieder neu entwerfendes“. In diesem Sinne begreift Ever in Flux Identität nicht als Darstellung oder Zuschreibung, sondern als Prozess des Werdens – im Bild, im Raum und in der Handlung.

Ever in Flux versteht sich als Ausstellung in zwei Räumen: zwischen Galerie und Kunstverein, zwischen Malerei, Video und Installation, zwischen Bild, Körper und Imagination. Die Satelliten-Struktur ermöglicht es, die künstlerischen Positionen aus unterschiedlichen Perspektiven zu lesen und Identität als etwas Werdendes, Bewegliches und Offenes zu erfahren – nicht als Antwort, sondern als fortgesetzte Annäherung.

Ever in Flux ist eine Satelliten-Ausstellung des Kunstverein Jesteburg e.V. in der Galerie Melbye Konan. Kuratiert von Isa Katharina Hänsel, Leiterin des Kunstverein Jesteburg.

Ausstellung bis 24.02.2026

Galerie Melbye Konan / Mittelweg 169 // 20148 Hamburg

 

Leave a Reply

Name*

e-Mail * (will not be published)

Website